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Die Sicht der Lage von Außen

Im Februar diesen Jahres erschien in der FAZ eine lesenswerte Radel–Reportage. Der renommierte Fahrrad–Journalist Hans–Heinrich Pardey beschrieb seine Erfurter Erfahrungen so geistreich, dass ich unseren home page Besuchern die schönsten Zitate näher bringen möchte:

Nachdem Herr Pardey den Zustand um den Bahnhof mit dem für Radler gesperrten Tunnel beschreibt, wendet er sich gegen Nord–Osten: Solchem Ungemach ausweichend, … erfolgt eine der Erfurter Ungereimtheiten: Gemeint ist der schon oft thematisierte Blindenstreifen vom Busbahnhof zum Hauptbahnhof: Dieser Streifen verläuft zwischen zwei Reihen von Bäumen mit Schutzgittern. An diesen Schutzgittern werden viele Fahrräder angeschlossen. Der wilde Parkplatz macht den Blindenstreifen zum Hindernis–Parcours. Statt nun die in den Weg hängenden Räder abzukneifen und für den Bedarf weitere geordnete Abstellmöglichkeiten zu schaffen, wurden die Schutzgitter mit großen Schildern versehen: „Weg zwischen den Bäumen unbedingt freihalten! Blindenstreifen!“ Der sehenden Auges Vorbeikommende ahnt: Die Schilder kamen wohl billiger als weitere Stellplätze für Fahrräder.

Dann thematisiert der Autor die generell auffällige Schilderfülle, Erfurt ist reich an den weißen „Fahrrad frei“–Schildern, die zu nichts verpflichten und zu nichts berechtigen, und beschreibt seine weiteren Beobachtungen so: Es wird von groß genauso wie von klein überwiegend auf den Gehwegen geradelt, wo meist keine Fahrradstreifen abgeteilt sind. Die fußläufigen Erfurter ertragen die Radfahrer mit bemerkenswerter Gelassenheit.

Vorangestellt ist Pardeys Reportage ein Bild von der Trommsdorffstraße. auf der Höhe der Alten Feuerwache. Hier endet der stadteinwärts führende Radstreifen auf dem Gehweg: Nichts, kein Pinselstrich und kein Hinweisschild, sagt dem Radler an dieser Stelle, dass er – nachdem er schier endlos gewartet hat – die Straßenseite wechseln soll. Nein, muss, denn allerdings sieht, wer bei nüchternem Verstand ist, dass es platterdings da nicht weiter geradeaus über die große Kreuzung geht. Jenseits des Rings hört dann die Führung des zahlreich vorhandenen Radverkehrs ganz auf, und kurz danach weist die Beschilderung auf die Fußgängerzone Anger hin, die nur zwischen 18:30 und 9:00 Uhr befahren werden darf…

So beschreibt er noch einige schwierige Situationen, z.B. auf dem westlichen Anger, „der Radtourist blickt ohnehin nicht durch.“

Sehr schön auch seine Warnung, im Böllschen Stile „Wanderer, kommst du nach Spa…“

Radler, kommst du nach Erfurt, ins thüringische Rom, mit seinen Kirchtürmen und Klostermauern, dann zieh dich warm an, …wappne dich, denn du wirst ein Wechselbad erleben: einen Ort voll abwechslungsreicher städtebaulicher Schönheit, wo Platz genug wäre, um diese Sehenswürdigkeiten dem Radverkehr zu erschließen, wo dessen Förderung aber Forderung bleibt und kein Konzept für mehr Fahrradfreundlichkeit erkennbar wird…

Der komplette Bericht Pardeys: „Radlern bleibt die Schönheit unerschlossen“ kann bei der FAZ gegen geringe Gebühr heruntergeladen werden. Zum besseren Verständnis der noch relativ neuen Radwegeführung in der Trommsdorffstraße noch einige Bilder, Achtung: Die Radlerin auf dem Trottoir fährt hier ganz legal, und das auch noch in „Gegenrichtung“!

Zeigt  die Führung des Radverkehrs von der Trommsdorffstraße aus südlicher Richtung kommend in Richtung Juri–Gagarin–Ring. Erst Radfahrstreifen in der linken Hälfte der Fahrspur, dann über den Spitzenteil der Verkehrsinsel geführt. Dann mit Hilfe eines Vorfahrt gewähren Zeichen (Z. 205) fast im rechten Winkel über die Gegenfahrspur auf einen Hochbordradweg. Anfang des Hochbordradweges mit Fahrradpiktogramm und Richtungspfeil auf der Fahrspur. Rot eingefärbter Radfahrstreifen auf der Fahrbahn links vom Hochbordradweg. Ende des Hochbordradweges vor der Fußgängerüberführung  an der Ampelanlage am Ring. Zwei Radfahrer auf jeweils einer Spur, ein Geisterfahrer ist zu sehen Blick auf das Ende der beiden Radspuren am Ring Schild wie es weiter geht!

© ADFC EF 2012

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