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Auswertung Fahrradklimatest Erfurt


©ADFC

Wäre die Stadt Erfurt eine Schülerin, dann wäre sie mit der Note 4,0 gerade noch versetzt worden. Das ist das Fazit des ADFC-Fahrradklimatestes, an dem 370 Erfurter Radfahrerinnen teilgenommen haben. Die Stadt liegt damit auf Platz 27 von 39 Städten über 200.000 Einwohnern. Es deckt sich mit dem Ergebnis von 2012, woraus man schließen kann, dass die subjektiv erteilten Einschätzungen doch eine recht objektive Grundlage haben. Die schlechtesten Noten erhielt Erfurt für die Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen, für den Winterdienst auf Radwegen (jeweils 4,8) und für die Führung von Radfahrern an Baustellen (4,7). Auch bei den Themen „Breite von Radwegen“ und „Werbung für Radfahren“ wäre Erfurt nicht versetzt worden. Auch ziemlich schlecht im Vergleich zu anderen Städten schneidet Erfurt beim Thema „öffentlich zugängliche Fahrräder“, z.B. für Touristen ab. Das ist nicht verwunderlich, da nur wenige Radläden Fahrräder zum Verleih anbieten und dies auch nicht intensiv öffentlich beworben wird. Ein öffentliches, jederzeit zugängliches System, wie nextbike gibt es nicht (mehr). Schlechter als andere Städte ist Erfurt auch bei der Frage nach Konflikten zwischen Radfahrern und Fußgängern. Das verwundert ebenfalls nicht, da die Radfahrer seit vielen Jahren an Bordsteinradwege gewöhnt sind, auch wenn diese viel zu schmal sind. Man radelt dann aus Gewohnheit auch auf Fußwegen, die nicht zum Radfahren zugelassen sind. Das ist für Radfahrer weder komfortabel noch sicher und für Fußgänger erst recht nicht. Deshalb sind Radfahrer auf ausreichend breiten Streifen auf der Fahrbahn am besten aufgehoben. Dort werden sie von Kfz-Führern gesehen, müssen keine Bordkanten überfahren, können leicht abbiegen und stören Fußgänger nicht. Ebenso schlecht bewertet wurde Erfurt (wie auch schon 2012) bei der Frage nach der Berichterstattung über Radfahrer in der örtlichen Presse. Schreibt die Zeitung positiv über Radfahrer oder stehen dort nur Berichte über Unfälle und das Fehlverhalten von Radfahrern? In Erfurt passiert offensichtlich leider eher Letzteres. Die besten Bewertungen erreicht Erfurt bei der Frage nach der Fahrradnutzung (fahren alle Bevölkerungsschichten Rad oder ist das Fahrrad nur Sportgerät oder Fahrzeug für Kinder), immerhin ist eine 3,0 drin, genauso wie für die Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Rad. Für die doch nicht geringe Anzahl von für Radfahrer geöffneten Einbahnstraßen bekommt Erfurt ein „Befriedigend“. Das Gesamtergebnis von 4,0 sollte die Stadt also nicht befriedigen, sondern sie sollte das Tempo in Sachen Radverkehr steigern, zumal manche Dinge nicht einmal Geld kosten oder mit baulichen Veränderungen verbunden sind. Der einstimmig vom Stadtrat beschlossene Verkehrsentwicklungsplan muss zügig umgesetzt und ein positives Fahrradklima in der Stadt geschaffen werden. Martina Schlisio


Download der Pressemitteilung als .doc 17.05.2015

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